Die Präsidentinnen

von Werner Schwab
Theater Delphin Wien



In ihrer kleinstbürgerlichen Wohnküche kübeln Erna, Grete und Mariedl hemmungs- und schamlos ihren Welt-Frust übereinander aus. Zwischen Abort-Phantasien, Papst-Sendungen und Dackelliebe erspinnen sie sich ihre Wirklichkeit. Den eigenen Dreck allerdings kehren sie lieber unter ihren billigen Teppich – bis endlich Mariedl, die jüngste der drei Damen, ihre Kolleginnen mit der Wahrheit des Daseins konfrontiert. Doch so viel Realität hält keine aus…

Die Präsidentinnen in der großen Welt tun es auch. Sie erschaffen ein Universum an Ideen und Gedankenspielereien. Jeder Mensch hat Sehnsüchte, auch diejenigen am Rand der Gesellschaft. Oft nimmt man jene Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit wahr, zu der wir nicht hinschauen wollen, können oder sie verleugnen. In der Welt abseits der Gesellschaft versucht man nur ein Stück Akzeptanz, Zuneigung oder eine Aufgabe im Leben zu erringen. Dinge die selbstverständlich scheinen und die notwendig sind, um dazuzugehören. In Schwabs Präsidentinnen sind das maßlose Völlerei, perverser Fleischeslust oder Mystiken des Aborts. Gedankenblasen als Sinn eines Lebens, Gedankenblasen in die man sich hineinträumt und die hinaus führen, aus  jener kleinen Wohnküche, die man Dasein nennt. Es bleibt nur eines, eine  eigene Phantasiewelt zu erschaffen oder zu vereinsamen, mit einem Fernseher als allerbester Freund. So wie Schwab  die christliche Ethik des Leidens auf den Kopf stellt, so wird hier die Anstrengung des Lebens  am Abseits bewusst wahrnehmbar.


In “Die Präsidentinnen” thematisieren wir zwei Figuren, die sich nur in ihrer eigenen Blase befinden, sich niemals nach außen orientieren und in ihrer Welt scheitern. Einzig Mariedl, eine entwicklungsverzögerte Figur lässt die beiden in die Wahrheit schauen. Das wird ihr zum Verhängnis.